Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur, 1970/71

Mit der Bleistiftzeichnung von Max Peintner „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ (1970/71) wird die Bedrohung der Natur nicht didaktisch mit erhobenem Zeigefinger, sondern über eine Gedankenfigur vermittelt: Stell dir vor, der Wald gibt es nur mehr als Ausstellungsstück! Mit dieser Fiktion war der Künstler seiner Zeit weit voraus, wurde das Problem des Waldsterbens doch erst in den 1980er-Jahren breit diskutiert. Die ersten futuristischen Zeichnungen entstanden unter dem Titel „Beiträge zur Zukunft. Technik- und Zivilisationskritik unter dem Deckmantel der Utopie“.

Indem Peintner die Intimität des Waldes, der auf das Stadion beschränkt ist, mit der hyperindustrialisierten Dystopie gegenüberstellt, antizipiert er eine Welt, in welcher die Natur zu einer Fußnote des Fortschritts einer Zivilisation geworden ist, die auf Maschinen basiert.  

Peintner interpretierte seine Landschaften als traumähnliche Visionen, und der prophetische Charakter des Kunstwerkes wird heute als Versuch der Zivilisation, seine destruktive Beziehung zur Natur wiederherzustellen, scharf empfunden. Kein Wunder also, dass die visionäre Ausdrucksweise des Bildes das Kunstwerk in mehr als 20 deutschen Schul- und Lehrbüchern sowie in Publikationen in Frankreich, Dänemark, Estland, Tschechien und Ungarn verwendet hat.  


Max Peintner mit Projektinitiator Klaus Littmann im Wörtherseestadion

Max Peintner (*1937)

  • Studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Wien sowie Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien
  • 1964 gab er mit Heinz Geretsegger die Monografie «Otto Wagner 1841–1918, unbegrenzte Großstadt, Beginn der modernen Architektur» im Residenz Verlag heraus
  • 1969 veröffentlichte er erste Zeichnungen unter dem Titel «Sechs Beiträge zur Zukunft: Technik- und Zivilisationskritik unter dem Deckmantel der Utopie»
  • 1972 war Peintner mit Werken in der Kunsthalle Baden-Baden vertreten
  • 1977 zeigte die documenta 6 seine Arbeiten
  • 1986 war er mit Karl Prantl Vertreter Österreichs bei der Biennale di Venezia.
Peintners Werke wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in der Staatsgalerie Stuttgart (1982), im Rupertinum in Salzburg (1985/1986), im Museion in Bozen (1989) und im Ludwig Kortárs Múvészeti Múzeum in Budapest (1996/1997) gezeigt.

Die Neue Galerie Graz widmete ihm im Jahr 2000 eine Retrospektive. Eine Bleistiftzeichnung Peintners aus dem Jahr 1974 befindet sich in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Max Peintner lebt und arbeitet in Wien.

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