Die gemeinschaftliche Gruppenausstellung Touch Wood findet korrespondierend zur Kunst- intervention For Forest nahezu zeitgleich im Museum Moderner Kunst Kärnten und der Stadt- galerie Klagenfurt statt.

Die Motive „Wald und Baum“, mit allem, was damit verknüpft wird, sind eng mit der Kunst- und Architek- turgeschichte Westeuropas verbunden. Die Sujets sind so vielfältig wie andersartig: ob der feinstrukturierte Stamm an sich mit seinen knorrigen Ästen oder jun- gen Trieben, ob eine bunte Belaubung oder ein glatter Nadelbewuchs, eine helle Lichtung oder undurchdring- liches Gestrüpp, dichte Blätterkronen oder eng beiein- anderstehende Nadelbäume. Die Stimmungen variieren in ihrem Ausdruck und ihrer Intensität, Tagesabläufe und Jahreszeiten lassen unterschiedlichste Empfindun- gen nachspüren. Bereits in vorchristlicher Zeit werden die säulenartige Form der Stämme, die Baumkrone oder florale Motive aufgegriffen, Holz wurde als Arbeitsma- terial in der Bildhauerei des Mittelalters verwendet und der mystische Charakter und die magische Anziehungs- kraft der lebenspendenden Bäume faszinierte auch noch die sich emanzipierende Künstlerschaft seit der Renais- sance bis in die Gegenwart.

Werner Berg: Februar, Öl auf Leinwand

Die Bedeutung der beiden Motive für die Kunst und die Vielseitigkeit ihrer Wiedergabe legen im Herbst 2019 das Museum für Moderne Kunst Kärnten und die Stadtgalerie Klagenfurt in einer gemeinschaftlichen Ausstellung dar. In beiden Häusern werden thematische Schwerpunkte gesetzt, der Bogen spannt sich über eine historische Einordnung bis hin zu einer inhaltlichen Aufarbeitung, dabei wird auf unterschiedliche Stile und Gattungen Rücksicht genommen. Zeitgenössischen in- ternationalen Positionen werden Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz und Österreich – auch jenen aus den hauseigenen Sammlungen – gegenübergestellt. Bilder und Skulpturen der letzten 150 Jahre werden the- matisch, formal und zeitlich zueinander in Beziehung gesetzt.

Anton Mahringer: Winterbäume

Darüber hinaus gehen installative und raumgreifende Arbeiten aktuellen Fragestellungen nach. Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen aus Österreich und dem nahen Ausland, in erster Linie der Schweiz, ergänzen die Schau. So finden sich Arbeiten aus der Fon- dation Beyerle, der Sammlung Grisard oder dem Kunst- museum Basel in der Ausstellung.

Die Gegenüberstellung und Gruppierung von inter- nationalen Künstlerinnen und Künstlern versprechen Spannung und fördern überraschende Gemeinsamkeiten zu Tage. Den Anfang machen die Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts mit Alexandre Calame, gefolgt von den Symbolisten Arnold Böcklin oder dem österreichischen Landschaftsmaler Ludwig Willroider. Jean Tinguely als wichtigster Schweizer Künstler der Nachkriegskunst verbindet seine kinetische Formensprache auf un- nachahmliche Weise mit der Natur, wie in der Arbeit L'Ours de Bursinel, während zeitgenössische Künstler den Bogen bis zur heutigen Zeit spannen. Internation- ale Größen wie Joseph Beuys mit seinem umfangreichen Projekt zur documenta 8 aus dem Jahr 1987 7000 Eichen werden ebenso vorgestellt wie Christos Intervention Wrapped Trees in Riehen, nordöstlich von Basel im Park der Fondation Beyeler von 1997-98.

Mit dem Fortschreiten der Moderne stand nicht mehr vordringlich eine naturalistische oder realistische Wie- dergabe des Baumes und des Waldes im Zentrum der herkömmlichen Medien und Gattungen. Im Zuge der großen Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts ent- wickelten Künstlerinnen und Künstler eigene Interpreta- tionen und experimentierten motivisch, materialistisch und medial mit den Themen Wald und Baum und dem Material Holz. Der Baum wurde abstrahiert, symbolisch aufgeladen als Objekt an sich mit eingebunden. Auf- fallend ist aber, dass Wald und Baum durch die Epochen hindurch nichts an ihrer Bedeutung für die Kunst und die Künstler verloren haben, im Gegenteil.

Ziele der Ausstellungen sind die Kontextualisierung der Sammlungsbestände, das Ermöglichen eines neuen Blickes, die Paarung nationaler und internationaler En- twicklungen und eine bewusste Durchmischung von Medien und Genres. Gesellschaftspolitische Überlegun- gen finden ebenso Platz wie eine formale, materielle, ökologische oder soziale Auseinandersetzung.

Nora Leitgeb, Kunsthistorikerin


TITELFOTO

Jean Tinguely: L’Ours de Bursinel, 1990, Baumstrunk, Eisenteile, Beton, Elektromotoren,

220 x 230 x 230 cm, Museum Tinguely, Basel. Donation by Niki de Saint Phalle, Foto © Museum Tinguely, Basel Foto: Christian Baur